›Praeceptum‹ und ›consilium‹. Erzählen von göttlichem und menschlichem Rat in früher mittelhochdeutscher Epik (›Eneasroman‹, ›Rolandslied‹, ›Münchner Oswald‹)

Autor/innen

  • Christian Schneider

DOI:

https://doi.org/10.25619/BmE202620324

Abstract

Das Erzählen von Rat wirkt in der mittelalterlichen Eneas-, Roland- und Oswald-Tradition immer wieder handlungsfunktional und motivationslogisch überschüssig. Dargestellt wird die Beratung (consilium) von Fragen, auf die die Antwort qua göttlicher Weisung (praeceptum) bereits im Vorhinein feststeht. Der Aufsatz schlägt für diesen Befund zwei Erklärungen vor. Zum einen: Solche Beratungsszenen sind Ausweis einer Orientierung des Erzählens an kleineren, vorgeformten Handlungsmustern (›Scripts‹), die in bestimmten Erzählzusammenhängen prototypisch aufgerufen werden müssen. Zum anderen: Mit der erzählerischen Verschränkung von göttlichem praeceptum und menschlichem consilium wird die Frage thematisiert, wie die charismatisch begründete Entscheidungsmacht des Einen, des Herrschers, sich verhält zur Notwendigkeit kollektiver Konsensbildung.

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Veröffentlicht

14.08.2026