Arbeit an der ›causa‹. Zur Diagrammatik der Streitsache und der Beratung des Königs Vergulaht im 8. Buch des ›Parzival‹
DOI:
https://doi.org/10.25619/BmE202620318Abstract
Der Beitrag beschäftigt sich mit der in der ›Parzival‹-Forschung umstrittenen Ratgeberfigur Liddamus. In bisherigen Studien zu dem der Beratung des Königs Vergulahts vorausgehenden Streitgespräch zwischen Liddamus und Kingrimursel wurden insbesondere die verschiedenen moralischen Standpunkte der miteinander diskutierenden Figuren untersucht. Die folgenden Überlegungen arbeiten hingegen mit einer diagrammatischen Lesart. Anhand der für die causa zentralen Motive râche, êre und sippe zeigt sich das kontradiktorische Verhältnis der verschiedenen Positionen: Der Wunsch Kingrimursels nach râche, sein Bestreben der Wiederherstellung einer personalen êre und seine Aufforderung zum gerichtlichen Zweikampf verweisen auf eine hierarchisch-agonale Denkfigur, an deren Ende ein asymmetrischer Ausgang steht. Dagegen vertritt Liddamus ein symmetrisches bzw. konzentrisches Denken, das sich auf die Vorstellung der êre der sippe stützt. Diese Diskrepanz erklärt dann auch die Exklusion Kingrimursels aus der anschließenden Beratung: Das symmetrische Gespräch zwischen dem König und seinen Ratgebern kann so unbeeinträchtigt bleiben. Das Spiel der diagrammatischen Modellierungen vermittelt eine unauflösbare Ambiguität, die der causa immer schon vorausgeht.
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