Ein Herzog auf Abwegen. Grippia als kultureller Eigenraum im ›Herzog Ernst B‹
DOI:
https://doi.org/10.25619/BmE202316236Abstract
Der Beitrag nimmt die ausführliche Stadtbeschreibung in der sogenannten Grippia-Episode des ›Herzog Ernst B‹ in einer Zusammenschau raumsemantischer und religiöser Sinnstiftungen in den Blick. Die ins Phantastische gesteigerte exzeptionelle Schönheit und Materialität der zunächst leeren Stadt hebt sich signifikant ab von der übrigen Raumdarstellung des Textes. Die Stadtbeschreibung operiert dabei mit Anspielungen auf das Himmlische Jerusalem, doch die in einem fremd-fabulösen Orientraum verortete Stadt erweist sich letztlich als ein anti-spiritueller Ort, der dem himmlischen wie auch irdischen Jerusalem kontrapunktisch gegenübersteht. Dabei ermöglicht der Stadtraum dem Protagonisten eine intensive ästhetisch-sinnliche Perzeption, für die es in der gedrängten Romanhandlung sonst weder Raum noch Zeit gibt und die das narrative Muster von Krise und Restitution der Hauptfigur zeitweilig suspendiert.
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