Exorbitante Helden? Figurendarstellung im mittelhochdeutschen Heldenepos

  • Elisabeth Lienert Universität Bremen

Abstract

Exorbitanz ist keine Qualität, die Helden als solchen anhaftet, sondern entsteht durch narrative Zuschreibung, intra- wie extradiegetisch. Das Phantasma Exorbitanz wird inhaltlich unterschiedlich gefüllt: heroisch oder pragmatisch, kon­struktiv oder destruktiv, vorbildhaft oder verwerflich, immer das Maß des Gewöhn­lichen übersteigend. Der Exzess wird freilich bisweilen ›postheroisch‹ gebrochen, durch Pragmatisierung, Serialisierung, Komisierung. Helden mittelhochdeutscher Hel­denepik fungieren in den Texten nicht als identitätsstiftende Vorbilder. Memoria wird nicht zum Nachvollzug inszeniert, sondern zum Weitererzählen, das Exorbitanz zugleich konstruiert und destruiert.

Veröffentlicht
2018-02-10
Rubrik
Artikel