Cisiojani im Spannungsfeld zwischen Zählen und Erzählen

  • Kathrin Chlench-Priber

Abstract

Als Cisiojani bezeichnet man die seit dem 13. Jh. gebräuchlichen Merkverse, um die unbeweglichen Festtage des Kalenderjahrs durch Sprechen und gleichzeitiges Abzählen zu memorieren. Analysiert werden der Silbencisiojanus des Steyrer sowie die Wortcisiojani des Solothurner Anonymus und des sog. Mönchs von Salzburg. Welche gestalterischen und erzählerischen Mittel sind eingesetzt, um den formalen Vorgaben Rechnung zu tragen und um die Memorierbarkeit zu unterstützen? Während Letzteres in den beiden stärker formal bestimmten Cisiojani durch Mittel aus der Lyrik erreicht wird, geschieht dies im ‚Solothurner Anonymus’ eher durch verständlichere Semantik und deutlichere Narrativität. Insgesamt dominieren jedoch zählerische Vorgaben das Erzählen.

Veröffentlicht
2018-08-11