Siegfrieds Weg ins 18. Jahrhundert. Zur Genese einer gebrochenen Biographie besonders am Beispiel von Christian Wilhelm Kindleben: ›Der gehörnte Siegfried. Ein Volksroman‹ (1783)

Autor/innen

  • Stephan Müller Universität Wien

DOI:

https://doi.org/10.25619/BmE20203100

Abstract

Der Beitrag zeigt, dass die Geschichte des Nibelungenstoffes als Geschichte einer Reaktion auf Widersprüche der Sagentradition zu lesen ist. Dabei werden die alten mære durch Kombination und/oder Modifikation in verschiedensten Kontexten lesbar gemacht. Ein solcher Prozess macht Widersprüche der Texte, wie sie schon das ›Nibelungenlied‹ prägen, sichtbar und zeigt, dass diese nicht nur als textinterne Erscheinungen auftreten, sondern auch als diachrone Rezeptionsspuren. Besonderes Augenmerk gilt dabei Christian Wilhelm Kindlebens ›Volksroman‹ vom gehörnten Siegfried, der als eines der letzten polemisierendes Rezeptionszeugnisse der Nibelungensage in der Aufklärung gelesen wird, bevor nach 1800 die romantische Nibelungentradition das Bild verändert. Der Volksroman modelliert die Widersprüchlichkeiten der Sage auch zu einem Medium der Kritik an einer Aufklärungspädagogik, von der sich Kindleben zynisch abwendet.

Veröffentlicht

2020-06-16