2022: Preprints zum Panel "Vereindeutigendes Erzählen in der mittelalterlichen Literatur" beim Germanistentag 2022

Mittelalterliches Erzählen bezieht sich sehr häufig auf Prätexte, lässt sich – je nach theoretischer Nomenklatur – als Wieder- und Weitererzählen, Übertragung oder Retextualisierung beschreiben. Nicht selten geht mit dieser spezifischen Art narrativer Intertextualität eine Tendenz zur inhaltlichen, manchmal auch formalen Vereindeutigung einher: Ambiguitäten der Vorlage werden im neuen Text reduziert oder beseitigt (und gelegentlich dadurch überhaupt erst sichtbar) – oder aber in anders gelagerte Mehrdeutigkeiten transformiert.

In unserem Panel wollen wir genau solche ‚Vereindeutigungen‘ in den Blick nehmen und auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin befragen. Im Panel soll anhand diverser Beispiele gefragt werden, wie weit der Begriff der Vereindeutigung zur Erklärung und Konzeptualisierung dieser unterschiedlichen Formen produktiver Rezeption trägt. Auch ist zu klären, ob der Begriff sich von einem überkommenen Literaturkonzept lösen lässt, in dessen Horizont vereindeutigendes Erzählen nicht selten als sekundär und epigonal bewertet wird.

Weiterer Kurzvortrag (ergänzend zu den hier veröffentlichten Preprints):

Caroline Emmelius: Vereindeutigendes Sammeln. Das Schneekind A in der Bîspel-Sammlung 'Die Welt'

Termin: Mittwoch, 28.09.2022, von 10:30 bis 12:30h

Veröffentlicht: 2022-09-12